Schamanismus, dieser Begriff weckt möglicherweise in Manchem von uns widerstreitende Gefühle. Was ist das, was kann das mit mir machen, ist das etwas Unbekanntes, das mir schaden kann? Jeder von uns verbindet wohl andere Ideen und Vorstellungen mit „Schamanismus“. Wie vieles Unerklärliche ist auch dieses Thema vielschichtig mit Angst oder Mißtrauen besetzt.

Eines ist sicher: Schamanismus ist das älteste Wissen der Menschen über die verborgenen Kräfte des Universums. Seit Jahrtausenden wirken Schamanen und Schamaninnen bei allen Naturvölkern der Welt in verschiedensten Funktionen, als Weise, Heiler, Wahrsager und Hellseher, als Künstler, Zauberer und Kapazitäten im Umgang mit Unerklärlichem.



Carlo Zumstein, ein Schweizer Psychologe, Psychotherapeut und schamanisch Tätiger, beschreibt es in seinem Buch „Schamanismus“ folgendermaßen:

„Sie (Schamanen) trommeln und tanzen sich in Trance, gehen auf Jenseitsreisen, rufen Geister als Verbündete und heilen mit den verborgenen Kräften der Natur. Sie sind Mittler und Boten der alles belebenden und beseelenden Schöpferkraft. Die Erde ist ihre Mutter, die Tiere sind ihre Geschwister, die Pflanzen und Steine ihre Verwandten, die Ahnen ihre Ratgeber. Feuer und Wasser sind ihre Medizin. Sie singen die Botschaften des Windes. Wo sie ihre Rituale feiern, treffen sich die Kräfte aller Himmelsrichtungen.

Schamanen sind Brückenbauer zu verborgenen Wirklichkeiten, sie bringen den kranken Menschen ihre verlorene Lebenskraft zurück und begleiten die Seelen Verstorbener ins Jenseits. … Ihr wichtigstes Instrument ist die Schamanentrommel. Überall auf der Welt ist die flache Rahmentrommel, bespannt mit Tierfell und geschmückt mit Zeichnungen der Verbündeten (Kraftbegleiter in Gestalt von verschiedenen Tieren), Kennzeichen der Schamanen. …

… In der Kosmologie der Schamanen ist die Nichtalltägliche Wirklichkeit in drei Ebenen unterteilt. In der Unteren Welt führen die Tiergeister sie zu den Quellen der Lebenskraft. In der Oberen Welt holen sie sich bei ihren Ahnengeistern Wissen und Rat. Die Mittlere Welt ist ihre Lebenswelt.
Das Universum ist von Kraft durchdrungen. Sie belebt und beseelt alles, was ist, den Adler in den Lüften, den Stein in der Hand, die Heilpflanze auf der Wunde.

Schamanismus ist überall auf der Welt entstanden… seit der Zeit vorgeschichtlicher Jäger und Sammler… Der Schamane half, gute Jagdplätze aufzuspüren, essbare und heilsame Pflanzen zu finden, sich mit den Seelen der getöteten Tiere zu versöhnen, die Gemeinschaft vor Feinden zu schützen und fruchtbar zu sein. … Die Initiation zum Schamanen kann auch durch eine Begegnung mit dem Tod oder einer schweren Krankheit erfolgen. Ein Mensch kann einem inneren Ruf folgend einen erfahrenen Schamanen aufsuchen…“  (Buchzitat Ende)



Michael Harner, ein amerikanischer Anthropologe und Forscher, wurde durch native Schamanen eingeweiht und dadurch selbst zum Schamanen. Er war einer der ersten, die im Core-Schamanismus die wichtigsten schamanischen Heilmethoden wie Seelenrückholung, Extraktion und Divination sowie die Begleitung von Sterbenden, die Hilfe für verlorene und verirrte Seelen, die Lösung von Besetzung, für westliche Menschen lern- und praktizierbar gemacht hat.
Heute könnte man die Arbeit eines Schamanen in seiner Gemeinschaft mit der Arbeit eines Priesters, Arztes, Lehrers oder Psychotherapeuten in unserer westlichen Gesellschaft vergleichen.
Ein Aspekt für die Wiederkehr des Schamanismus, für die erneute Hinwendung vieler Menschen zum Ursprünglichen, ist die ganzheitliche Sicht des mündigen Menschen, der bewusst geistige Kräfte zur Gesundung und zur Erhaltung der Gesundheit einsetzt.
Techniken wie die Änderung des Bewusstseinszustandes, Stressbekämpfung, Visualisierung, positives Denken und real oft nicht erklärbare Hilfe durch Instanzen, höhere Mächte, Kräfte des Universums, des Göttlichen, die seit langem Bestandteil des Schamanismus sind, werden auch von Ärzten, Heilpraktikern, Psychotherapeuten und anderen ganzheitlich Arbeitenden benutzt und eingesetzt.

Eine neue Generation von schamanisch tätigen Menschen bietet nun vor allem seelisch leidenden Menschen erfolgreich spirituelle Hilfe an. Es kann heute  jeder Mensch, der sich vom Thema Schamanismus angesprochen fühlt und ihm aufgeschlossen und angstfrei gegenübertritt, schamanische Techniken, die weitgehend auf ihren Kern (core) reduziert worden sind, für ein bewußteres und gesünderes Leben nutzen.



Wie arbeite ich selbst mit diesen Methoden? 

Auf der Grundlage des Anliegens, mit dem ein Mensch auf schamanischem Weg Hilfe finden möchte, wird  - in geschütztem Rahmen innerhalb eines Raumes – eine Situation, ein Ritual kreiert, die/das es möglich macht, in entspannter Weise und jedesmal neu und anders, verschiedene Elemente der schamanischen Arbeit miteinander zu verknüpfen.

Dazu gehört das Schlagen der Trommel, ein leicht verdunkelter Raum, in dem der Klient liegend oder sitzend das Geschehen erlebt, dazu gehört eine Kerze (symbolisch als  „Feuer“), dazu gehört die „schamanische Reise“ mit Hilfe von Krafttierbegleitern (vergleichbar einer inneren Trancereise). Es können alle möglichen und gewünschten hilfreichen Details hinzu genommen werden, wie Reinigen durch Rasseln oder Räuchern, Gegenstände, die dem Klienten wichtig sind, wie Heilsteine, Amulette, Glücksbringer, Federn, Kraftlieder und ähnliches mehr.

Zu Beginn und am Ende der schamanischen Arbeit erfolgen klärende Gespräche, auch ein Erfahrungsaustausch von schamanisch Tätigem und dem Klienten ist möglich.

Diese respektvolle, einfühlsame  Art von Arbeit ist weit entfernt von „Hexenzauber“  und schwarzer Magie oder den wüsten, archaischen oder teils wilden  Vorstellungen, wie solche Rituale vielleicht heute noch in manchen indigenen Völkern praktiziert werden mögen.

Erfahrungsgemäß sind in unserer heutigen Zeit schon zu viele Rituale und gefeierte Übergänge, wie von einer Jahreszeit zur nächsten, oder dem Beenden einer Lebensphase und dem angemessenen Weitergehen zur nächsten, verschwunden.
Viele Menschen wünschen sich nun Rituale und Zeremonien zurück, die ihrem Leben, einem Jahr, einer Phase, einer schmerzlichen Erfahrung, Struktur und Rahmen, Unterstützung und Hilfe geben können.

Schamanisches Arbeiten bietet nun als einer unter anderen gangbaren Wegen Möglichkeiten, die individuelle Lebensspur zu finden, seine eigene Mitte auszuloten, in der eigenen Persönlichkeit mehr Ganzheit zu gewinnen und leichter und freier in neue Räume ausschreiten zu können.
 

Nimm dir Zeit, den Himmel zu betrachten

Suche Gestalten in den Wolken.

Höre das Wehen des Windes

und berühre das kühle Wasser.

Gehe mit leisen und sanften Schritten …

 

 

Schreite behutsam durch dein Leben

Setze deinen Fuß mit Achtsamkeit.

Zerstöre dabei so wenig wie möglich.

Tue alles, was in deiner Macht steht,

mit der Liebe deines Herzens,

um das zu heilen,

was in der Natur aus Notwendigkeit

zerbrochen werden muß.

Ich segne dich, Mutter Erde

und ich singe dein Lied.

 

 

Jeder Ort ist heilig

und heiliger Ort ist unerschöpflich.

 

Indianische Weisheit

Bitte beachten Sie:

Alle vorgestellten Methoden basieren auf langjährigen Erfahrungswerten derer, die sie entwickelten, und derer, die mit ihnen arbeiten, und sind als alternative Methoden schulmedizinisch noch nicht anerkannt.

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