Gedanken zum Vergebungsritual Ho’oponopono – Teil 2
Als „Familienkonferenz“ wurde das Ho’oponopono in den 1950er Jahren auf Hawaii oft praktiziert. Bei Problemen wie Missverständnissen oder schlechtem Verhalten innerhalb von Familien traf man sich und besprach das Problem gründlichst in einzelnen Schritten, geleitet von einem Vermittler. Das Durchlaufen der Teile des Geschehens, das Loslassen und Bekräftigen der neuen gemeinsamen Ziele, endete oft mit einem Gebet, Essen, Tanz oder einem Fest.

Seit den 1970er Jahren gibt es eine moderne Form des Ho’oponopono als Selbstheilungsmethode. Dies ermöglicht die Anwendung auch für sich allein, ohne Vermittler. Als spirituell-geistige Reinigungsmethode gesehen, vereint diese Form christliche, indische, psychologische und alt-hawaiianische Elemente in sich. Daraus abgeleitet ist eine noch mehr vereinfachte Form, mit den Schritten Gebet, Thema besprechen, Sich-selbst-Annehmen in Verantwortung, dem Lösen und Befreien von Schuld(en), dem gegenseitigen Vergeben und Loslassen in Dankbarkeit.
Könnte ich das, mich annehmen mit allen Schwächen, vergeben und loslassen? Oft neigt man als Mensch dazu, sich selbst als Opfer zu sehen. Schuld an den Miseren der Welt sind ja die Anderen, die Täter, und nicht ich. So denkt „man“ vielleicht schnell und am liebsten.
Aber die Probleme, die sich damit ja in keinster Weise auflösen… was mache ich damit?
Eine wirkungsvolle Lösung – gibt es die?
Der hawaiianische Arzt und Therapeut Dr. Ihaleakala Hew Len beschreibt in seinem Buch „Zero Limits“, wie er in den 1980ern intensiv an seiner eigenen geistigen Reinigung und Selbstheilung arbeitete. Gleichzeitig heilte er dadurch fast eine ganze Abteilung schwer psychisch gestörter Krimineller in einem Gefängnis, ohne diese Menschen persönlich kennengelernt zu haben.
Die psychiatrische Abteilung dieses Gefängnisses wurde als Hölle bezeichnet. Trotz Patienten in Handschellen oder ruhig gestellt durch Psychopharmaka, gab es oft gewaltsame Übergriffe. Pflege-, Wachpersonal und Therapeuten blieben im Schnitt drei Wochen und meldete sich dann krank. Dr. Len arbeitete dort in aller Stille in seinem Büro mit der Methode Ho’oponopono. Er fragte sich bei jedem Patientenbericht, den er las: „Was ist in mir, dass es so etwas in meiner Welt gibt? Was ist in mir, dass mein Bruder (Name des jeweiligen Insassen) so etwas tat? Was habe ich getan, dass mein Bruder das tat?“ Er ging in sich, befragte sein Herz, und bei jeder Resonanz zu Krankheit oder Verhalten des Kranken sagte er: „Es tut mir leid. Ich verzeihe dir. Ich liebe dich.“ Er erkannte alles „Hässliche“ in sich an und übergab dies dem Göttlichen. Schließlich dankte er Gott für die Umwandlung, die Transformation. Er tat dies täglich, viele Monate lang. So arbeitete er alle zerstörerischen Gefühle und Anteile auf, von denen er Teile in sich selbst und in den Gefangenen erkannt hatte. So verfuhr er etwa dreieinhalb Jahre lang, bis von 30 Insassen aus der Psychiatrie 28 entlassen werden konnten.
Dieses Beispiel zeigt die Wirkungsweise der Methode Ho’oponopono. Durch das Annehmen der eigenen Gefühle, Erinnerungen, „Daten“, die in Resonanz stehen mit ähnlichen bei anderen Menschen, kann das „Nicht-Richtige“ wieder richtig gestellt werden. Eine allgemein gültige Ordnung kann wieder hergestellt werden.

Wir als Menschheit sind im Grunde alle gedanklich eng vernetzt. Was ein Mensch erkennt und tut, oder auch nicht tut, hat Auswirkungen auf Andere und die Gemeinschaft.
Claudia Ebenhoch, Heilpraktikerin für Psychotherapie
Quelle: Das Wunder der Vergebung, U. Dupree, A. Bruchacova, Kailash Verlag
